Berufsjugendtum

Am nächsten Mittwoch spiele ich wieder Rampensau und werde als Mitdiskutant in einer Runde von Fünfen zzgl. Moderator zum Thema “Internet total – Wie prägt das Netz die Jugend?” befragt werden und Antworten liefern. Die Veranstaltung findet am 7. Mai 2008 von 16:45 Uhr
bis 18:00 Uhr in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs statt.

Mir ist das Alter der anderen Diskutanten mit Ausnahme des meinen (40) nicht bekannt, aber ich habe den Eindruck, dass hier mal wieder die Älteren über die Jüngeren reden werden, was natürlich so eine Sache ist. Ich kann mich da mit meiner Mission als Berufsjugendlicher und der Tatsache, dass ich schon vor knapp zwanzig Jahren (man beachte den bang path!) mein Leben zumindest teilweise im Netz gelebt habe, herausreden.

Doch da es hier zuletzt schon so nettes Fedback gab, dachte ich, ich frage auch noch mal die Jüngeren unter Euch, wie ihr so zu den Fragestellungen steht. Die Kernfragen aus der Beschreibung der Veranstaltung sind:

  1. Sozialisation gestern und heute – Welchen Einfluss hat das Netz?
  2. Lass die Kinder mal machen – oder Kontrolle total?
  3. Wie sieht der Jugendliche der Zukunft aus?

Ich bin über jede Anregung dankbar, aber ganz spannend fände ich es, wenn jeder zu jedem der drei Punkte seinen wichtigsten (oder ersten) Gedanken aufschreibt. Vielen Dank schon mal im voraus.

PS: Das ist mein erster Post mit hCalendar-Mikroformat. Wessen Browser oder RSS Reader kommt damit klar? Mit NetNewsWire geht’s.

Update: Die Veranstaltung ist heute gelaufen. War eine durchaus interessante Situation, die allerdings darunter litt, dass die Akustik in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs dermassen mies war und das ZDF es irgendwie nicht geschafft hat, dem Panel Monitorboxen zu bereitzustellen. So konnten sich die Teilnehmer teilweise nicht verstehen, ich selbst konnte nur dreien von fünfen folgen. Schlimm.

Ich hatte mich allerdings gut vorbereitet und habe auf der Bahnfahrt nach Leizip genüsslich in Euren Kommentaren geschmökert und eine Reihe von ihnen zitiert. Grundsätzlich bewegte sich die Runde aber im geistig gesunden Bereich. Sollte dem ZDF die Aufzeichnung des Gesprächs zu entlocken sein werde ich versuchen, gegen das Copyright zu verstossen.

26 Gedanken zu „Berufsjugendtum

  1. zu 1: Sozialisation? Eher Online-Prostitution was viele mit Ihren privaten Daten machen. Klar ist es positiv wenn man über das Internet Kontakte knüpft und sich dann auch mal im RL trifft. Doch sollte die Jugend mehr Aufklärung in Sache Schutz der eigenen Daten erhalten. So ein Privacy-Schulfach wie im US-Bundesstaat Virginia halte ich für eine gute Sache.

    zu 2: Kontrolle: nein; Schutz: ja. Die Eltern sollte mit den Kindern reden und als Schutz einzelne Begriffe über Router o.ä. sperren. Sollten die Kinder dann unbedingt auf eine Seite müssen, die fälschlicherweise geblockt wurde, kann man sich da sicherlich absprechen. So kommt auch der Dialog zwischen Eltern und Kind zustande.

    zu 3: vorbereiteter… Es ist nicht nur im Bereich des Internets. Überall werden die Jugendlichen Frühreifer. Dadurch steigt jedoch auch gesellschaftlicher Druck.

  2. Punkt 2: die einzige brauchbare Strategie scheint mir zu sein, dass man bis zu einem gewissen Alter die Kinder nur im Internet surfen lässt, solange ein Erwachsener dabei ist. Also Kontrolle aus dem Augenwinkel.

    Aber bei uns ist das Problem noch nicht akut, eventuell ist nicht einmal das praktikabel.

  3. hCalendar kannte ich nocht nicht, aber Akregator 1.2.7(=KDE 3.5.8) hat den Post ganz normal wie alle bisherigen angezeigt. Ob das jetzt aber falsch oder richtig ist, weiß ich nicht.

  4. Vielleicht peripher interessant: Ein Bekannter spricht hier von “Digital Secondos” und meint damit die Jugendlichen heute… Der Begriff gefällt mir als Begriff. Aber ob er hilfreich ist, kann ich auf die Schnelle nicht beurteilen.

  5. 1. fast vollständige sozialisation – das netz ist schlicht da. ich (22) war regelrecht schockiert als ich letzte Woche realisiert habe, dass es das vor 15 jahren noch nicht war.
    einfluss hat es v.a. als neuer (standard-) kommunikations- und informationsweg: the world at your fingertips.

    2. eher machen lassen. ein grundverständnis für “gut” und “schlecht” ist sowieso grundsätzliche erziehungsaufgabe. anleiten, einleiten, entdacken lassen, auch die schattenseiten. wichtig ist nur die fähigkeit, letztere als solche zu erkennen.

    3. um es mit blumfeld zu sagen: wie ihre alten, nur andere klamotten und mehr taschengeld.

  6. Ich bin 29/m und seit ca. 16 Jahren online. Zu den Fragen:

    1) Ich hab schon den Eindruck, dass Netz verursacht mittlerweile ernsthafte Verdummungskollateralschaeden. Welchen Mehrwert stellt der Konsum von 30 Youtubern am Tag dar? Aber die positiven Effekte ueberwiegen fuer mich noch immer: Der eigene Tellerrand verschiebt sich deutlich nach Aussen, die Diskussionsfähigkeit wird trainiert und die erworbenen technischen Fähigkeiten sind ja auch praktisch. Und was mir wirklich gefällt, ist, wenn die Kids online eigene Projekte auf die Beine stellen. Diese Form von Engagement finde ich sehr gut, das ist wichtig für Selbstständigkeit und Zivilcourage. Ich habe das in der Schule schon noch mehr so erlebt, dass Projektideen von Aussen (Lehrer etc.) kamen und von uns dann aufgegriffen und ausgefüllt wurden.

    2) Medienkompetenz vermitteln (ich find ja immer, das klingt hohl, aber mangels besserer Worte…) und vor allem Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung im Umgang mit der Technik. Wie fühle ich mich, wenn ich 5 h dummgeklickt habe? Was bringt mir das? Wie Bewerte ich Inhalte? Welche Ziele verfolgt die Quelle? Etc. Das geht eben nur, indem man mit den Kids Zeit verbringt. Ich habe als Jugendlicher das fürs Netz selbst nicht gelernt, aber dankenswerter Weise die kritische Bewertung klassischer Medien vermittelt bekommen und übertragen können. Das mit der Achtsamkeit kam deutlich später, Netz und Computer war für mich als Jugendlicher auch eine gute Portion Flucht.

    3.) Weiss nicht, meine Befürchtung ist schon, dass der Verdummungstrend anhält. Aber es wird auch sicher genug Gegenimpulse geben. Am Wichtigsten ist es, die Alternativen zu zeigen, dann werden sie auch angenommen.

  7. Zu 1: Auch im Netz gibt es Normen, und die Unterscheiden sich nicht mal großartig von der im reellen Leben. Praktisch ist, dass ein Panorama entsteht, mit wem man sich sozialisieren möchte.

    Zu 2: Wie gut totale Kontrolle funktioniert, kann man in China beobachten. Es gibt sicherlich jede Menge gute Beispiele, wo Kontrolle versagt hat oder unterwandert wurde.

    Zu 3: Vernetzt. Ansonsten kannst du in die Glaskugel bemühen.

  8. 1) Ich habe gerade vor kurzem gelesen, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene hinsichtlich des Wahrheitsgehalts nicht zwischen einem Blogeintrag und einem wissenschaftlichen Artikel differenzieren können. Vor diesem Hintergrund bin ich gespannt, wie die Jüngeren mit diesem Medium umgehen werden. Wichtig ist hier imho, Aufklärung zu betreiben und zu sensibilisieren.
    2) Ohne Kontrolle und Schutz wird es nicht gehen. Online-Sucht wird eine ernstzunehmende Krankheit werden und mir liegt viel daran, unseren Kleinen behutsam in die Neue Welt einzuweisen.
    3) Schwer zu sagen, aber ohne Handy, SMS und Messaging wird es nicht mehr gehen.

  9. 1. Sozialisation gestern und heute

    ## früher: hauptsächlich eltern, die weitere familie und freunde ## heute: (idealerweise) wie früher _plus_ ‘fremde’ menschen, die man aufgrund gemeinsamer interessen (fast schon) zwangsweise online trifft.

    vorteile: online-freunde können einiges genauso leisten wie RL-freunde (ratschläge, trost spenden etc.). auch kann man freunde jenseits der eigenen lokalen / sozialen umgebung finden und so sonst nicht zugängliche meinungen, einstellungen etc. finden.

    nachteile: es ist wohl schwerer zu ermitteln, wie ernst, wie verbindlich diese freundschaften sind.

    der persönliche kontakt (mimik, gestik) fehlen ja im regelfall oder sind zumindest nicht vorherrschend.

    2. Lass die Kinder mal machen – oder Kontrolle total?

    ## die mischung machts wohl. kinder müssen sich wahrscheinlich auch online ‘die knie aufschürfen’ dürfen, solange sie sich dabei ‘nicht den hals brechen’. vieles wie ‘was verboten ist, ist interessant’ etc. gilt wohl online wie offline.

    3. Wie sieht der Jugendliche der Zukunft aus?

    ## wahrscheimlich vor allem schlecht angezogen ! ;-)

    soweit meine spontanen gedanken.

  10. So, dann will ich als “Betroffener” (15) auch mal meinen Senf dazugeben:

    1. Definitiv einen großen Einfluss: In meiner Klasse (9., ländliches Gymnasium) ist auf jeden Fall mal jeder online, ICQ gehört auch zur Basisausstattung. Die Mädels verbringen darin ihre Nachmittage und klicken sich ein wenig ihre rosa Welt zusammen (Status: “[Beste Freundin] xD *knuddel*” …); die Jungs verbringen ihre Zeit lieber in drittklassigen MMORPGS. Social Networks sind glücklicherweise noch nicht so verbreitet, auch wenn sich einige auf SchülerVZ rumtreiben.

    2. Lass die Kinder mal machen – aber gib ihnen die richtige Medienkompetenz dazu. Zeig jungen Kindern, was es im Netz so gibt, nicht nur die Sonnenseiten. Internetfilter halte ich spätestens ab einem Alter von 12 für sinnfrei – das erhöht nur den Reiz, die Sperre zu umgehen. Ein Jugendlicher mit der richtigen Medienkompetenz wird nach dem einmaligen Ausprobieren einer “bösen” Webseite dorthin auch nicht zurückkehren. Natürlich sollte man darauf achten, dass die Kids nicht nur noch vorm PC rumhängen – aber nicht sofort nach einer Stunde panisch werden!

    3. Keine Ahnung – vernetzt vielleicht?

    PS: In Liferea sehe ich zwar auf den ersten Blick nichts vom Mikroformat, der Post wird aber korrekt angezeigt.

  11. Vorab: Ich bin nicht berufsjugendlich, sondern mach das nebenberuflich. (Um jetzt diesen eher mäßigen Wortwitz noch einmal zu konkretisieren: Ja, ich bin 18. Zählt das noch?)

    1. Sozialisation gestern und heute – Welchen Einfluss hat das Netz?
    Internet macht viel aus. schülerVZ ist eine wichtige Geschichte zur Vernetzung, außerdem kann man mit Google prima Lehrern hinterherrecherchieren. Wie gesagt, ICQ und schülerVZ sind wichtige Anlaufpunkte, vor allem, weil sie Aufmerksamkeit auf ihre Seiten konzentrieren. Man muss nicht zehn verschiedene Seiten von Schulfreunden abgrasen, um irgendwo Fotos vom Wochenende oder vom LK-Treffen zu finden, sondern schaut im schülerVZ, welche neuen Fotoalben online gestellt wurden – fertig ist die Laube!
    Auch ganz lustig: Ich wurde von mehreren Schulfreunden auf mein Blog angesprochen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie es lesen würden.
    Du hast ja explizit nach Sozialisation gefragt, aber generell würde ich auch die Rechercheerleichterung durch Suchmaschinen, Wikipedia etc. nicht unterschätzen und unerwähnt lassen.

    2. Lass die Kinder mal machen – oder Kontrolle total?
    Bis zu einem gewisssen Alter halte ich sanfte (!) Kontrolle für nötig. Also bezüglich Pornos, Nazi-Kram etc. Statt Kontrolle eher Anleitung mit dem Ziel der Herausbildung von Medienkompetenz.

    3. Wie sieht der Jugendliche der Zukunft aus?
    Unbedingt in einem sozialen Netzwerk à la schülerVZ registriert, eventuell mit eigenem Blog zusätzlich. Veröffentlicht Bilder, stellt sich selbst dar. Narzissmus latent immer vorhanden – muss ja nicht immer schlecht sein.

  12. Oh Mann, da war ich wohl einen Tcik zu spät um das noch toppen zu können… Beachtlich, aber das Netz vergisst nichts… Man sollte mal öfters nach seinen alten Nicks suchen :-)

  13. 1. das netz wird selbstverständlicher bestandteil von sozialisation: als medium und als kommunikationsmittel. vielleicht differenziert sich die jugend mehr aus, weil es mehr auffindbare alternativen gibt. mainstream der minderheiten.

    2. in den nächsten jahren werden einige debatten auf uns zu kommen, denn für die mehrheit der > 30 jährigen ist der private umgang mit dem www in jedem lebensbereich bei weitem nicht so selbstverständlich und vieles kann nicht gut eingeschätzt werden. also zeitweiliger generationenkonflikt, der vielleicht die gemüter erhitzen wird, aber es werden sich in the long run bestimmte “erziehungsstile” bezüglich des netzes etablieren, wichtige fragen werden bestandteil von schule werden und einfach common sense, den mensch irgendwann mitkriegt.

    3. dazu kann ich echt nix sagen.

    generell: keine schwarzseherei, das wird sich alles einpendeln. wichtig ist, dass sich auch die älteren leute dem netz öffnen, selbst sachen dort entdecken, erfahrungen machen und dann vlt besser verstehen was die jugend so “bewegt”

  14. Das Netz kann auf keinen Fall einen schlimmeren Einfluß auf die auf die Entwicklung haben als das Fernsehn auf die ü30(mich und mein Leidensgenossen) Generation hatte. Selbstbetimmter Medienkonsum statt Berisselung kann nur von Vorteil sein.
    Und wenn man sich die Entwicklung in den letzten Jahren im Netz ansieht, glaube ich vor allen dass es schwieriger wird die jüngere Menschen und ihren Umgang mit dem Medium zu verstehen, da Veränderung sehr schnell passieren. Die Gibsonsche Vorhersage über Jugendkulturen, ihr Auftauchen und Verschwinden, ihre Kurzlebigkeit wird sicherlich Realität werden. Aber das is eher unser Problem als das der Jugend.
    Schwarzmalen, alla “Unsere Jugend wird zu einem narzistischen Haufen von Ideoten” ist definitive für falsch, da es sehr überheblich ist, andere für blöder zu halten als man selbst ist, jüngner oder nicht.
    J

  15. Hallo Tim,

    #1 Eine andere Frage ist: Was passiert mit Leuten, die keinen Zugang zum Netz haben. Wenn ich so durch das Outback von Deutschland fahre, durch die Bauernsiedlungen. Also, was passiert mit dem Kindern da… Die tun mir wirklich leid!

    #2 Als Nerdpapa bin ich da erstmal unbesorgt. Wir werden anleiten und Hinweise geben; aber eben gerne auch alleine Streifzuege…

    #3 Statt vor dem Desktop wird wieder auf Baeumen geklettert; das Internet wird zum Glueck mobil…

  16. Danah Boyd (http://www.danah.org/) forscht zum Thema Jugend und Internet insbesondere Social Networks und hat ne Menge interessante Ergebnisse gebracht. Zum Beispiel, dass Jugendliche im Gegensatz zu Erwachsenen ihr Profil bei myspace etc. einfach aufgeben, wenn sie eine neue Identität ausprobieren (was man ja als Jugendlicher öfter mal tut) und u.a. deshalb wenig Verständniss dafür haben, dass die Erwachsenen so darauf pochen da nichts reinzuschreiben, was ihre Privatsphäre betrifft. Dieses youTube Video gibt nen ganz guten Einblick in ihre Arbeit: http://www.youtube.com/watch?v=_mzctKajhI0

    Wir sollten die endlich mal zum Congress bekommen.

  17. Zu deiner zweiten Frage:

    Ich würde das Internet nicht als abgetrennte Rubrik der Erziehungspflichten sehen. Viele Tugenden, die man im Internet an den Tag legen sollte, sind in anderen Lebensbereichen ebenso nützlich und nötig. “Sag Fremden nicht deinen Namen/wo du wohnst” haben auch schon unsere Eltern mit auf den Schulweg bekommen. Der Unterschied zwischen Realität und Fiktion und dass man nicht nachmacht, wenn sich der Mann im Fernseher einen Hammer auf den Kopf haut, ist ebenfalls schon fester Bestandteil der Erziehung. Im Internet gibt es ja grösstenteils das, was es vorher schon genau so gab, nur ist es nun leichter zugänglich. Einige neue Aspekte gibt es natürlich schon, zum Beispiel kann der nette Junge aus dem Chat in Wirklichkeit 50 Jahre älter sein, aber das wissen viele Jugendliche wahrscheinlich besser als ihre Eltern. Solche Sachen sollte man den Kindern natürlich vermitteln, bevor man sie an den Computer lässt. Aber ansonsten finde ich, dass man ein Kind, das man gut erzogen hat, auch mal alleine ins Internet lassen kann. Dass man das kontrollieren kann, ist sowieso eine Utopie. Bei irgendeinem Klassenkameraden steht schon ein unbeaufsichtigter Rechner in der Gegend rum. Heutzutage kann man auch mit Handies ins Internet, da hat es sich dann schnell mal mit über die Schulter blicken. Und wenn man den Besuch einer Seite verbietet, kann man sicher sein, dass das Kind neugierig ist und die Seite bei der ersten unbeaufsichtigten Gelegenheit aufruft. Man sollte versuchen, mit seinen Kindern darüber zu reden, was sie im Internet machen und sie dazu kriegen, auch davon zu erzählen, wenn sie mal ne “böse Seite” besucht haben, irgendwen im Chat kennengelernt haben und treffen wollen. Verbietet man ihnen das nur, tun sie es trotzdem und vor allem reden sie nicht darüber, so hat man keine Möglichkeit mehr, da Einfluss zu nehmen.

    Ich hatte während meiner Jugend relativ freien Zugang zum Internet und damals gabs auch schon alle möglichen und unmöglichen Seiten, die ich natürlich alle mal besucht habe. Meine Eltern verstanden nichts davon. Ich sehe nicht, dass mich das irgendwie geschädigt hat und dass es da Eltern gebraucht hätte, die mir den Besuch von Rotten und der Chat mit Fremden verbieten hätten müssen oder mich nur unter Aufsicht an den PC hätten lassen sollen. Das liegt aber in erster Linie daran, dass ich die nötigen Kompetenzen bereits vorher, unabhängig vom Internet, gelernt habe. Ich finde auch, dass es für mich eine “pädagogisch wertvolle” Bereicherung war, unbeaufsichtigten, freien Zugang zu allen Informationen dieser Welt zu haben – unter anderem habe ich dadurch gelernt, wie ich meine Kinder mal erziehen sollte, wovor ich sie warnen sollte. Auch konnte ich mich mal zu Themen schlau machen, über die meine Eltern nicht reden wollten, die aber heutzutage für Jugendliche einfach an der Tagesordnung sind und bei denen man schon ein paar Sachen wissen sollte. Die verschwinden nicht auf einmal aus den Pausenplatzgesprächen, weil die Eltern das nicht gut finden. Man könnte sagen, das sei Job der Schulen, aber wer hatte schon Lehrer, die einigermassen Ahnung davon hatten, was tatsächlich in der Jugend von heute abgeht und denen man das auch geglaubt hätte?

    Der gefährlichste Aspekt heute ist für mich das Web 2.0. Realität und Internet verschmelzen. Das Internet ist nicht mehr nur irgendwie das, was da irgendwelche Firmen zu meiner Unterhaltung reinstellen, sondern auch Handyvideos von Kumpels, Bilder von Lehrern, Communityseiten mit Realnamen, nicht mehr nur Nicknamen. Da braucht es definitiv Eltern, die das auch kennen und verstehen und ihre Erziehung darauf ausrichten. Die möglichen Schäden, bei Kindern, die ansonsten einige erzieherischen Defizite haben, sind auch weitaus gravierender, als vorher. Ich weiss selbst noch nicht so recht, wie ich meine Kinder da mal so weit sensibilisieren und erziehen kann, dass ich die da ohne meine Aufsicht machen lassen könnte. Es sind halt auch viele versteckte Gefahren damit verbunden, die selbst mündige Erwachsene nicht bis in jedes Detail einschätzen können, oder die sich nur schwer vorahnen lassen.

  18. Guten Tag Tim, hier schreibt Robert Helbing. Ich würde gerne heute mit dir in Leipzig ein kurzes Interview für meine Schülerzeitung durchführen. Ich würde mich freuen, wenn du entweder vor deiner Diskussionsrunde oder danach dafür Zeit hättest.

    Zu unserer Schülerzeitung: Das ist die offizielle Schülerzeitung
    der Kooperativen Gesamtschule Erfurt (http://www.kgs-erfurt.de/)
    und heißt mittlerweile “Next Door” (früher Fakt.
    Wir arbeiten eng mit junge-medien-thüringen zusammen(www.junge-medien-th.de)

  19. > Wessen Browser oder RSS Reader kommt damit klar?
    > Mit NetNewsWire geht’s.
    mit SAGE (Firefox extension) geht’s auch!
    Ansonsten: Gemeinsam ,it anderen als Kind durch Bäume klettern kann so schädlich nicht sein …

  20. Nun zumindest als Zuschauer konnte mal alles gut verstehen – ist doch auch was.

    Toller Schlußkommentar übrigens, Tim; auch was Prof. Krotz zu sagen hatte, war sehr interessant – meine “Favoriten” saßen eindeutig auf der rechten Seite. :-)

  21. Pingback: Feeds die ich Lese | 9mal6

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