300dpi

Manche Dinge verfolgen einen beständig. Einer der Top-Klassiker ist die Bitte um Fotomaterial. Dank Blinkenlights und verschiedenen Vorträgen hier und da erreichen mich solche Anfragen ständig. Das wäre ja auch alles kein Problem, nur ist es immer wieder erschreckend, die Anforderungen für die Bilder zu lesen. Das sieht dann meistens so aus:

“Bitte schicken Sie mir das Foto in guter Auflösung (300 dpi)”.

Hammer. Solche Anfragen bekommt man von Veranstaltern, aber auch von Gestaltern, Layoutern und Menschen, die Bildbände produzieren. Bei Veranstaltern habe ich ja immer noch ein wenig Verständnis für die Verwechslung aber bei professionellen Bildbearbeitern bleibt einem schon die Spucke weg.

Noch nicht verstanden, was hier das Problem ist? Dann erkläre ich es noch mal ganz langsam und deutlich in der naiven Hoffnung, mit diesem Blogeintrag positiven Wandel in Bewegung zu bringen. Das Kernproblem ist schlicht folgendes: die Maßeinheit “dpi” sagt nichts über die gewünschte Bildgröße aus und damit eigentlich auch nichts über die Qualität. Denn “dpi” bedeutet “dots per inch” (Punkte pro Zoll) und ist daher nur eine relative Größe. Komplett ist die Angabe erst, wenn man auch noch hinzufügt, auf wieviele “Inch” die Pixel sich denn verteilen sollen – sprich: was die tatsächliche Druckgröße ist. Ohne “Inch”, keine “Dots per Inch”. Eigentlich ganz einfach.

Wenn man das dann verstanden hat kann man den Anfragen noch eine viel wichtigere Information beigeben, die stets komplett vergessen wird: das Format. Ist ein quadratisches Bild gewünscht, oder hätten wir es lieber hochkant? So verhindert man, dass dann später noch Teile des Bildes herausgeschnitten werden (und damit ggf. auch noch die Druckauflösung reduziert wird) und alle sind happy.

7 Gedanken zu „300dpi

  1. das problem ist doch das der profesionelle gestalter, egal was er dem zulieferer sagt mit 90%iger wahrscheinlichkeit scheissdreck zugeschickt kriegt. wenn man sich also jedesmal die mühe macht den ganzen von dir geschilderten sachverhalt zu erklären verliert man unglaublich viel zeit, stiftet meistens noch eine menge verwirrung und darf fragen beantworten wie man den in word jetzt bitte die bildgröße ändern kann. sag ich nur high-res (300 dpi) bring ich die leute dazu ein bisschen darauf zu achten und vielleicht kriegt man die daten die man sucht. den zulieferer selber den auschnitt auf endformat wählen zu lassen macht kein anspruchsvoller gestalter den ich kenne. auschnitt wählen und ins format setzen ist mein job.
    in den seltesten fällen findet man einen so eloquenten und äesthetisch interessierten menschen wie dich, der auch noch technisches verständnis für druckproduktion mit sich bringt.

  2. ausserdem: man kann sich ja die druckgröße ungefähr vorstellen und aus der Auflösungsangabe dann die absolute größe berechnen. Und das ist einfacher für den Lieferanten des Bildes als “3000x4000px”, denn iirc bietet die verbeitetste Fotosoftware standardmäßig “Größe in cm” bzw. eine Formatauswahl “A4”, “Kleiner Fotoabzug” usw und einen Auflösungsschalter an…

    aber eigentlich seltsam, ich würde Leute immer nach Bildern “so gut wie möglich” fragen und sie schwören lassen, dass sie nichts angefasst haben ausser den Super-High-Quality-Schalter an der Kamera. Denn wenn diese gruselige Amateur-Fotosoftware, die die Kameras mitbrigen, erstmal das Bild gefressen hat lässt sie kein Pixel auf dem anderen…

  3. Habe grade eben das gleiche Problem nur aus der anderen Richtung gehabt. Lustig, dass dein Eintrag dann grade im Feedreader auftauchte. Ich sage den Leuten immer: “Bitte 20 mal 20cm bei 300 dpi”. Eine der beiden Informationen scheint aber immer unterzugehen. Entweder bekomme ich 20x20cm bei ‘ner wilden dpi-Zahl oder 300 dpi bei 200×200 pixeln. ARGH! Mitlerweile gebe ich bei den Kandidaten nur noch Pixelgrößen an.

    Mitfühlende Grüße
    Markus

    PS: Ebenfalls beliebt sind dann übrigens die, die die Sachen klein anlegen und auf Nachfrage dann einfach ein auf 300dpi hochgerechnetes Bild schicken.

  4. Oh ja, bekanntes Problem. Ich verkaufe hin und wieder Nutzungsrechte an Fotos, die ich digital aufgenommen habe.

    Die Anfragen lauten dann auch immer etwa so:

    Wir braeuchten dieses und jenes Bild mindestens mit 300dpi.

    Skeptisches Reply, nachdem ich geschrieben habe, dass ich das Bild allerhoechstens mit einer bestimmten Pixelzahl – z. B. 3000×2000 Pixel^2 – liefern kann:

    Na dann schicken Sie doch mal das Bild in Maximalaufloesung, unser Grafiker schaut dann, ob das ausreicht.

    Bis jetzt hat dann noch keiner gesagt, dass die Aufloesung nicht ausreicht, im Gegenteil. Die meisten setzen es dann im Web ein …

    Und selbst Kalenderdrucke auf A3 oder Hochglanzbroschueren sehen mit den laeppischen 6-MPx-Bildern erstklassig aus, wenn die Aufnahme technisch anstaendig gemacht ist (eben keine Bilder aus der Knipse/Soft-Toucher, sondern richtiges Glas vor dem Sensor/Film).

    Vielleicht sollten die Leute in den Agenturen gleich den Grafiker fragen, anstatt mit unsinnigen Anforderungen zu kommen. Na ja, irgendwann man lernt damit zu leben und regt sich nicht mehr auf ;)

  5. Nachdem ich letzte Woche in einer Schulung mühsam Stück für Stück dpi, ppi und lpi erklärt habe, mir der Schüler immer bestimmend zunickte, verdarb er dann die Show mit der Pointe:
    “Und wie groß ist jetzt noch mal ein Pixel?”

  6. Ich bin erleichtert, dass noch andere Leute seit Jahren von diesem Problem verfolgt werden!

    Seit 2001 habe ich die Webpage Niedrig aufgelöste Bildschirmgrafik richtig drucken am Netz, wo es vor allem darum geht, wie man Screenshots und dergleichen richtig druckt. Weil das Gestaltervolk oft der Ansicht ist, alles unter 300 dpi wäre “undruckbar”, da würde wahrscheinlich Quark XPress abstürzen oder sowas.

    Beste Grüße,
    Dragan

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