Das Märchen von Zensursula und den sieben Zwergen

Zensursula“ ist ohne Frage das erfolgreichste Internet-Mem, dass die deutsche Netzgemeinde bisher zu Tage gefördert hat. Es schlägt meiner Meinung nach auch das bis dahin am stärksten verbreitete „Stasi 2.0„, auch wenn zur Drucklegung dieses Blogeintrags die Wikipedia „Zensursula“ noch bei diesem mit einsortiert.

Wie bei allen Memen ist es schwierig, im Nachhinein zu bestimmen, woher es stammt und wie es sich verbreitet hat. Dazu empfehle ich im Übrigen auch den Konsum des Podcasts CRE121 Internet-Meme, der über diese Phänomen viel Aufschluss bietet.

Nun denke ich aber, bei diesem konkreten Mem so nah an der Entstehung dran gewesen zu sein, dass ich hier mal kurz für die Nachwelt festhalten möchte, wo es meiner Beobachtung nach seinen Ursprung hatte. Ich möchte allerdings an dieser Stelle nicht behaupten, dass dies unwiderruflich und unumstößlich die erste Sichtung des Begriffs war und bin für jeden Hinweis dankbar, der zur korrekten Geschichtsbildung beiträgt.

Vielmehr würde mich interessieren, ob der Name nicht vielleicht sogar an mehreren Stellen gleichzeitig entstand, oder ob er tatsächlich nur einem Hirn entsprang: nämlich dem von Erdgeist. Die Assoziation „Zensur – Ursula“ kam ihm wohl auf dem Fahrrad im Gleimtunnel in Berlin und mündete später in diesen Tweet vom 25. März 2009, nachts um kurz nach eins:

zensursula-erdgeist.png

Dieser Tweet sprang mir später ins Gesicht und irgendwie gefiel mir die plastische Kopplung der beiden Wörter. Ich formte daraus selbst am späten Abend des selben Tages diesen wenig kreativen Tweet:

zensursula-tim.png

An dieser Stelle verläuft sich die Spur. Alles woran ich mich danach noch erinnern kann ist, dass „Zensursula“ auf einmal all over the internet war. Und ich muss sagen, dass mir die Kraft des Begriffs auch erst in seiner Verfielfältigung und Massenhaftigkeit klar wurde.

Mich würden nun weitere Sichtungen dieses Tages interessieren. Die Suchfunktion von Twitter versagt in dieser Hinsicht leider völlig.

12 Gedanken zu „Das Märchen von Zensursula und den sieben Zwergen

  1. Genau so spannend, wie die nicht enden wollende Flut an #FreierRaum Varianten in Twitter.

    Merke: Worthülsen sollte man als Politiker in Zeiten von Twitter und Blogs tunlichst vermeiden, denn sie werden instantan aufgegriffen, auf die Spitze getrieben und die politische Inkompetenz so für die Ewigkeit im Netz dokumentiert.

  2. Pingback: Internetsperren 28.06.2009: Artikel und Kommentare « Wir sind das Volk

  3. zum #freierraum meme habe ich auch eine schöne geschichte. Ich saß in der Bahn und bin durch twitter gegangen. Erst ein tweet von @johl mit einem de-motivational „Internet – Kein Rechtsfreier Raum“ und dann einer von @paraa „Der Hörsaal darf kein koffeinfreier Raum sein“, aber noch ohne hashtag. Da dachte ich mir schon „wow, das hat memepotential“, und auch den hashtag #freierraum habe ich mir da schon gedacht, konnte aber nichts mehr dazu schreiben weil ich aussteigen musste. Kaum war ich zuhause war twitter schon voll mit genau dem. Von daher halte ich es für schwierig die Entstehung eines memes genau einer Person zuordnen zu wollen, manche dinge sind einfach offensichtlich, oder die zeit ist reif dafür.

  4. Besser kann man die Frau wirklich nicht nennen.
    Mir fällt noch die Story mit ihrem „Familienhandy“ ein.
    „Zensursula“ triffts am besten.
    (Zensur innerhalb der Familie (sie besitzt das Familienhandy) und außerhalb (Internet bundesweit))

  5. Pingback: Phraseologische Meditationen (V) – Medienmetaphorik « Kultur oder Wissenschaft

  6. Pingback: Statement zum EU-Verschlüsselungsverbot / Chatdurchleuchtungspflicht – Enough 14 D

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.